Der Launch ist der glamouröse Teil. Der Screenshot, das Posting, die Glückwünsche.
Dann fängt die eigentliche Arbeit an.
Nach Jahren in der Webpflege haben wir einiges mitgenommen. Manches davon klingt banal. Banal ist es erstaunlich selten.
Websites sind nie wirklich fertig
Eine Website ist kein Möbelstück. Sie lebt in einem Ökosystem, das sich ständig verändert: Browser bekommen Updates, Suchmaschinen ändern ihre Regeln, neue Geräte kommen dazu, Sicherheitslücken werden entdeckt und ausgenutzt.
Wer nach dem Launch nichts mehr anfasst, hat in zwei Jahren kein fertiges Produkt. Er hat ein eingemottetes Projekt.
Updates sind Pflicht, nicht Option
Die meisten Sicherheitsprobleme, die wir gesehen haben, hatten eine gemeinsame Ursache: ausstehende Updates. Kein ausgeklügelter Angriff. Keine Hacking-Exzellenz. Meistens reichte es, dass eine bekannte Lücke in einem Plugin seit Monaten offen war.
Wir hatten einen Fall, bei dem ein Online-Shop plötzlich eine Unterseite hatte, die im Menü unsichtbar war, aber von Google brav indexiert wurde. Inhalt: Krypto-Werbung mit dubiosen Links. Die Injektion lief über einen ungepatchten Angriffspunkt. Halber Tag Bereinigung, Firewall, Nutzerpflege, Datenbankcheck. Für etwas, das ein rechtzeitiges Update verhindert hätte.
PHP-Upgrades bringen manchmal ungebetene Gäste mit
Ein Online-Shop stürzte ab, nachdem der Hoster auf PHP 8 migriert hatte. Alles schien in Ordnung. Dann fiel das System trotzdem auf die Nase.
Der Schuldige war ein PDF-Rechnungs-Plugin, das seit über zehn Jahren niemand mehr aktiv entwickelte. Es nutzte eine Syntax, die PHP 7 noch toleriert hatte, PHP 8 aber nicht mehr akzeptiert. Kein Update verfügbar. Kein Hinweis im Dashboard. Einfach Absturz.
Die Lösung war ein Ersatz-Plugin und ein halber Tag Konfiguration. Die Lektion war teurer: Legacy-Abhängigkeiten müssen vor Servermigrationen geprüft werden, nicht danach. Immer.
Caching macht Seiten schnell und manchmal verrückt
Wir hatten zwei Caching-Erweiterungen gleichzeitig im Einsatz. Beide gut bewertet. Beide korrekt konfiguriert. Zusammen haben sie sich gegenseitig blockiert, ohne dass irgendjemand einen Fehler gesehen hätte.
Besucher luden immer die falsche gecachte Version. Formulare schickten nicht ab. Admins im Backend sahen davon nichts.
Eine Website ist ein System. Wer vergisst, dass Einzelteile miteinander interagieren, sucht sehr lange nach Bugs, die keine Bugs sind.
Manchmal zeigt sich ein Problem nur in einer Sprache
Einer der bizarreren Fälle: Ein Sicherheits-Tool auf einer mehrsprachigen Website lud auf Deutsch einwandfrei. Auf Französisch war es einfach weg. Kein Fehler, keine Konsolenmeldung.
Die Ursache war ein Cookie-Banner mit einer Ladebedingung, die auf eine bestimmte Sprachvariable reagierte. Das Sicherheits-Tool wurde dabei geblockt, aber nur im französischen Pfad. Beide Erweiterungen waren technisch korrekt konfiguriert. Sie vertrugen sich trotzdem nicht.
Sowas findet man nicht durch zufälliges Klicken.
E-Mails kommen nicht einfach so an
"Kontaktformular ist online" bedeutet nicht, dass Nachrichten ankommen.
Wir richten bei jeder Installation konsequent SMTP ein, weil das Standard-PHP-Mailing auf den meisten Hostern im Spam landet oder gar nicht zugestellt wird. Anfrageformulare, Bestellbestätigungen, Passwort-Resets: alles hängt daran. Der Aufwand ist einmalig. Danach läuft es jahrelang still vor sich hin.
Die meisten Probleme entstehen nicht durch Angreifer
Was wir meistens vorfinden, sind Tools, die sich gegenseitig in die Quere kommen, Plugins, die seit Jahren niemand angefasst hat, und temporäre Lösungen, die längst dauerhaft wurden. Niemand hat das so geplant. Es wächst einfach.
Ein Plugin hier, eine Anpassung dort, ein «das klären wir später» und drei Jahre danach hat man eine Website, über die niemand mehr den Überblick hat.
Kleine Probleme haben viel Geduld
Eine Warnung im Log. Ein Formular, das manchmal nicht abschickt. Ein SSL-Zertifikat, das in neunzig Tagen abläuft. Ein Analytics-Tag, der ins Leere zeigt.
Einzeln ist das alles nebensächlich.
Zusammen, über zwei Jahre angesammelt, ist das eine Website, an der niemand mehr Freude hat, und die irgendwann an einem Montagmorgen einfach offline geht. Wartung ist selten spektakulär. Sie ist alle paar Wochen kurz draufschauen, aufräumen, aktualisieren. Aber genau dieses kurze, regelmässige Draufschauen macht den Unterschied.
Was das für dein Unternehmen bedeutet
Wartung ist keine Steuer auf die Website. Sie ist die Versicherung, dass die Investition in fünf Jahren noch etwas wert ist.
Ein KMU, das einmal im Quartal jemanden draufschauen lässt, hat in fünf Jahren eine Website, die funktioniert, gefunden wird und Vertrauen ausstrahlt. Wer nichts macht, hat in fünf Jahren, wenn es gut läuft, noch eine Website.
Wenn du das Gefühl hast, dass deine eigene Website diese Aufmerksamkeit gerade nicht bekommt: Du bist nicht allein. Es ist normal. Und es ist lösbar.
Wir schauen gerne mit dir drüber. Kontakt aufnehmen